Mythos oder Wirklichkeit? Die Geschichte des im 17. Jahrhundert lebenden
Bergfelder Viehhirtens Johann Jäkle.
Man findet es nicht, wenn man sich nicht vorher eingehend bei Einheimischen
danach erkundigt hat, und man sieht es fast nicht, auch wenn man sich ihm bis
auf wenige Meter genähert hat: Das "Jäkle-Grab" von Bergfelden
Es ist kein Wallfahrtsort, dieses Grab, eher eine Art Geheimtip
für ortskundige Wanderer, die mit der Geschichte ihrer engeren Heimat etwas vertraut
sind und sich von alten Bergfeldenern vielleicht einmal die Sage vom Johann Jäkle
und seinem Grab haben erzählen lassen. Es muß irgendwann im 17. Jahrhundert gewesen
sein, als der Jäkle-Johann, vermutlich ein Waldarbeiter, das Zeitliche segnete.
Wer und was er zu Lebzeiten genau war, das kann heute niemand mehr sagen, sicher ist nur
soviel: Noch als Toter muß er eine Art Spaßvogel gewesen sein, denn als man ihn auf
dem Bergfelder Friedhof begraben wollte, habe er, heißt es, nicht gutgetan - was
auch immer damit gemeint sein soll. Auf jeden Fall war klar, daß der Jäkle nicht auf
dem Friedhof, sondern in seinem geliebten Wald begraben sein wollte. Deshalb die
Vermutung es habe sich um einen Waldarbeiter gehandelt.
Keine leichte Aufgabe
Die sterblichen Überreste vom Johann Jäkle wurden also auf einen Karren gelegt und
mit Pferden in den Wald transportiert. Doch auch auf dieser Fahrt noch spukte der
Jäkle kräftig herum, denn immer wenn es bergauf gegangen sei, so erzäht die Sage,
hätten sich die Bremsen angezopen, und die armen Pferde hätten es kaum verschnaufen
können, bis sie ihre Fracht den Berg hinaufgebracht hätten.
Sei es aber bergab gegangen, hätten sich die Bremsen gelöst, und die Pferde hätten
es nun kaum vergaloppieren können, so sehr habe der Wagen mit dem toten Spaßvogel
darauf geschoben.
Als dann schließlich die Begräbnisstelle mitten im Wald gefunden und ein Grab ausgehoben
war, wurde der Sarg mit Johann Jäkle in die Erde gelassen, wobei die Bäume sich verneigt
und ihre Wipfel gesenkt hätten. Seitdem hat der Jäkle seine Ruhe, und Waldarbeiter - früher
zogen sie den Hut, wenn sie an seinem Grab vorbeigingen - pflegen bis auf den heutigen Tag
die Grabstelle des Johann Jäkle.
Ein Gästebuch der besonderen Art
Am Jäklegrab findet sich neben einem eingezäunten Blumenbeet und einem einfachen Birkenkreuz
ein von einem Bürger des Ortes gebautes Kästchen, in dem eine Art Gästebuch jeden Besucher
einlädt, sich hier zu verewigen, was die meisten - so ist angesichts der Fülle von
Eintragungen zu vermuten - auch tun. Das Buch allein ist eigentlich schon die Wanderung zum Jäklegrab wert, denn von nachdenklichen Sätzen über den Sinn des Lebens und Betrachtungen
über die Landschaft bis hin zu mehr oder weniger witzigen und derben Sprüchen umd Kritzeleien
enthält das Buch alles, was man sich an Eintragungen nur vorstetlen kann.
Gerade das ist eine eigentümliche Erfahrung, die man hier macht: wie sich unsere Mitmenschen
am Grab eines Unbekannten ihre Gedanken machen, die einen werden nachdeklich, die anderen versuchen witzig zu sein, aus welchen Gründen auch immer -
doch jeder berührt das Jäklegrab nur halt jeden auf seine Weise....