Dr. Morrissey von der Kulturlandschaftsforschung BW berichtet über ein
möglicherweise bedeutsames Relikt aus der Vergangenheit, die "Statt" bei
Bergfelden.
An der Straße von Sulz nach Bergfelden, auf der Anhöhe kurz vor dem Ort, liegt linkerhand
zwischen Mühl- und Betzenbach ein auffälliges Plateau, die Statt genannt.
An der Zufahrt zur Fläche, bei der Friedenslinde, quert an strategisch günstigster Stelle eine flachwellige,
kaum merkliche, wallartige Erhöhung den hier wie ein Flaschenhals zulaufenden Bergrücken. Zudem sind die
Plateau-Ränder umlaufend auffallend steil und teils hoch abgeböscht.
Allein der Flurnamen Statt weist schon auf eine historisch bedeutsame Stätte hin,
bereits 1485 „uff der statt“ genannt. Noch früher erscheint in mittelalterlichen
Schriftquellen jedoch eine sogenannte Talgenossenschaft Mühlbach mit den Orten Mühlheim,
Renfrizhausen, Vöhringen und Bergfelden. Man hat nun die Einrichtung dieser Talgenossenschaft
schon in fränkischer Zeit, also dem 7. oder 8. Jahrhundert angenommen, mit Bergfelden als Hauptort.
Hier soll der Herrenhof gelegen haben, während die zugehörige Mühle in Mühlheim und in Fischingen ein
Fischereibetrieb gewesen seien. Weder die Lage des Herrenhofes noch der Mühle waren jedoch seinerzeit
bekannt, man war auf Vermutungen angewiesen.
Die wallartige Erhöhung am Zugang zur Statt veranlaßte das Landesdenkmalamt 1968 –
angesichts einer drohenden Überbauung des Areales – eine Sondage im Bereich des
Zuganges vorzunehmen. Trotz tiefgreifender moderner Störungen des Befundes gelang doch
der überraschende Nachweis einer Befestigung mit steingefaßter Torgasse. Jetzt schien der
Herrenhof zur fränkischen Genossenschaft Mühlbach gefunden zu sein, sogar einen Königshof
sah man an dieser Stelle.
Freilich liegen die Dinge nicht so einfach wie angenommen, insbesondere da aussagekräftige
und datierbare Funde aus der Statt bislang nicht vorliegen. Das Landesdenkmalamt
Baden-Württemberg sah deshalb die zahlreichen offenen Fragen auch der orts- und landeskundlichen
Forschung nun als Verpflichtung, die bisherigen Ergebnisse zur Statt wissenschaftlich aufzuarbeiten
und zu ergänzen. Seit vielen Jahren werden dergleichen Denkmäler als vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen
im „Atlas archäologischer Geländenkmäler Baden-Württembergs“ veröffentlicht und mitsamt einer topographischen
Aufnahme (Plan im M. 1:1000) erstmals einer eingehenden Auswertung unterzogen und der
interessierten Bevölkerung in Form einer bebilderten Publikation vorgestellt.
Im Herbst 1998 wurde die Statt für den "Atlas archäologischer Geländedenkmäler“
im Zuge einer Vermessungsübung der Fachhochschule Karlsruhe in Zusammenarbeit mit
dem Landesdenkmalamt topographisch aufgenommen. Der detaillierte Plan wird mit den
archäologischen Ergebnissen korreliert, Aspekte der Natur- und Kulturlandschaft sowie
der örtlichen und regionalen Geschichte sollen die geplante Publikation ergänzen.
Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen, ob etwa die Statt sogar eine mittelalterliche
Stadtgründung sein könnte. Hat die Lage unmittelbar oberhalb der unteren Mühle eine
Bedeutung oder sind die alten Verkehrswege wichtig?
Für die interessante Ortsgeschichte Bergfeldens mit seiner alten Remigius–Kirche
spielt die Statt natürlich eine große Rolle. Eine überörtliche Bedeutung des Ortes
im Mittelalter wird ersichtlich, könnte hierzu ein großer Fronhof gehört haben?
Nach wenigen Vergleichen aus Baden-Württemberg denkt man auch an einen schon im Kapitular Karls
des Großen genannten herrschaftlichen Hoftyp „muro circundatum cum porta es lapide facta“:
von einer Mauer umgeben mit einem Tor, aus Stein erbaut. Ein erstes Fazit wurde bei einer
gemeinsamen Begehung gezogen, die Ergebnisse werden nächstes Jahr wohl gedruckt vorliegen.
Autor: Dr. Christoph Morrissey / Kulturlandschaftsforschung BW
Datum: 09-05-2002